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Historische Recherchen & fotografische Ereignisdokumentation

ES HAT SICH NICHTS GEÄNDERT - 2020: FRIEDEN UND WENIGER IRRSINN

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                   Quelle: Berlin Journal 26.12.2019

 

Zu aktuellen Debatten:

17. Februar 2019:

Die Deutschen, ein Volk von Wendehälsen, Umdeutungs- und Verdrängungskünstlern?

Die Charakterisierung Wendehals wurde und wird vorrangig mit der politischen Wende von 1989/90 in der DDR in Zusammenhang gebracht. Betrachtet man jedoch die letzten rund 100 Jahre der deutschen Geschichte, dann ist durchaus die Fragestellung berechtigt, bestand das deutsche Volk bei jedem gesellschaftlichem Umbruch mehrheitlich aus Wendehälsen, Umdeutungs- und Verdrängungskünstlern. Hier ein vielsagendes Beispiel: Den Meisten unter uns „nur“ als Arbeiterlied bekannt, hat „Auf, auf zum Kampf“ mindestens drei Textversionen, die auf das Engste mit unserer Geschichte verbunden sind.

Aus den Zeiten des Kalten Krieges - Auf den Spuren der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“

Altenburg/Borna/Leipzig. In den Archiven der Stasi-Unterlagenbehörde, des BND, des CIA und denen des russischen Geheimdienstes lagern unzählige Aktenmeter mit einem Bezug zu einem privatgeführten Verein, der von 1948 bis 1959 bestand und in Spitzenzeiten bis zu 600 V-Leute in der SBZ/DDR zählte. Sein Name: „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ (KgU). Ihren Sitz hatte sie im damaligen West-Berlin. Das seit 1948 endgültig geteilte Berlin entwickelte sich gerade zur Frontstadt des kalten Krieges. In diesem sich immer weiter aufheizenden weltpolitischem Klima entstand die KgU. Zunächst als eine humanitäre Reaktion auf eine Entlassungswelle aus den sowjetischen Speziallagern und als Suchdienst während der Berlin-Blockade. Im Kontext des kalten Krieges wurden diesem Ziel sehr bald Aufgabengebiete zur Seite gestellt, zu denen neben antikommunistischer Propaganda, Spionage, Sabotage und zum Teil auch terroristisches Handeln gehörten. Beschäftigt man sich mit den Dokumenten aus jener Zeit, dann wird ein dunkles Kapitel der deutsch - deutschen Geschichte offenbar, für das lange Zeit wenig öffentliches Interesse bestand. Das trifft auch auf das  Wirken und die Spuren in Leipzig und dessen Südraum bis hin nach Altenburg zu.

Historie der LVZ-Volkskorrespondenten

Sie waren ein Markenzeichen des DDR-Journalismus, die Volkskorrespondenten.  Kürzel: VK. Vor allem für die Lokalredaktionen waren sie unerlässlich. Ausgehend von der kommunistischen Überzeugung, dass die Arbeit der Volkskorrespondenten ein Teil der Machtausübung der Arbeiterklasse ist, sah die SED in ihnen einen wichtigen Verbündeten bei der Propagierung ihrer Interessen. Sie berichteten und fotografierten über Ereignisse aus ihren Betrieben, Genossenschaften, Sportvereinen, Städten und Dörfern. Sie sicherten damit eine gewisse Lebensnähe zu den Problemen des DDR-Alltages. Ihren Ursprung hatte die Volkskorrespondenten-Bewegung in den  frühen 1920er Jahren in der Sowjetunion. Die Tradition der LVZ geht  bei den VK bis in die Weimarer Republik zurück. Die Nationalsozialisten verbieten  nach ihrer Machtübernahme 1933 die Zeitung und lassen sie künftig als „Leipziger Neuste Nachrichten“ (LNN) erscheinen. Am 19. Mai 1946 wird die erste Nachkriegsausgabe der LVZ gedruckt, nunmehr als Organ der SED. An die Erfahrungen der 1920iger Jahre wird angeknüpfte und das Veröffentlichen von VK-Texten und Bildern zum festen Bestandteil des Alltagsjournalismus. Ein Blick in die Historie zeigt, dass das Wirken der VK auf das engste mit der Entwicklung der DDR und der Argumentation durch die SED verbunden war. So gab es auch Zeiten, wie nach den Ereignissen vom 17. Juni 1953, wo man die Journalisten als auch ihre ehrenamtlichen Kollegen als Buhmänner  für das politische Versagen hinstellt. Die LVZ-Führung war stets um ein enges  Verhältnis zu ihren „Ehrenamtlichen“ bemüht. Ende der 1960er Jahre zählten die Haupt- sowie die Kreisredaktionen ca. 1.000 Volkskorrespondenten. Für die fachliche Ausbildung und den Erfahrungsaustausch gab es regelmäßige „VK-Treffs“.  Mitte der Siebziger Jahre wurde ein  über 100-seitiges Handbuch mit politisch-ideologischen Grundsätzen aber auch mit journalistischem Grundwissen herausgegeben. Im Anhang des rot eingebundenen Buches befand sich ein „Kleines Lexikon der journalistischen und polygrafischen Fachsprache“.

Die Chronik für den TSV Lobstädt 1863 e. V. steht im Netz

Ein Ergebnis meiner aktuellen Arbeiten ist die Chronik des TSV Lobstädt 1863.

Sie wurde von mir für dessen Webseite zur Verfügung gestellt. Interessenten können das Ergebnis unter www.tsv-lobstaedt.de einsehen.

Ähnliche Aufträge von anderen Vereinen realisiere ich gern.

1944: Führung des ASW in Espenhain plante den Einsatz von KZ-Häftlingen

Espenhain/Böhlen. Der Leipziger Historiker Martin Baumert ist kürzlich im Bundesarchiv in Berlin auf ein interessantes Dokument gestoßen. Dieses relativ kleine und unvollständige Schriftstück vom 10. Juli 1944 bestätigt, dass neben der Führung des Brabag-Werkes in Böhlen auch die der ASW in Espenhain im Sommer 1944 beim stellvertretenden Leiter der Inspektion der Konzentrationslager im SS-Wirtschafts- und Verwaltungsamt, Standartenführer Gerhard Maurer*, KZ-Häftlinge (im Sprachgebrauch der SS auch als KL-Häftlinge bezeichnet) angefordert hat. Wie die Abschrift offenbart „benötigten“, der Werksbeauftragte von Felbert für Böhlen 1.000 und sein Amtsbruder Schwarz in Espenhain 500 KZ- Häftlinge, und zwar umgehend. Von Felbert und auch Schwarz waren im herkömmlichen Sinne Firmenchefs, die sich gemäß der NS-Ideologie Werksbeauftragter oder Betriebsführer nennen mussten. Wie aus dem Geheimdokument hervorgeht waren, Unterkünfte in beiden Werken vorhanden und für Böhlen bereits durch Obersturmbandführer Schwarz vom Lager (KZ d. A.) Buchenwald für gut befunden worden. Damit der Häftlingseinsatz auch die „notwendige Rentabilität“ bei der Ausbeutung gewährleisten sollte wurde gleichzeitig ein Schlüssel für den Einsatz des Bewachungspersonals vorgegeben. Auf 8 Häftlinge sollte mindestens ein Bewachungsmann kommen. Für die Bewachung der Häftlinge in den Außenlagern und während der Arbeitseinsätze war die SS verantwortlich.